Elektroinstallation renovieren — Checkliste
So planen Sie die Elektrorenovation im Altbau systematisch und vermeiden teure Fehler.

Bestandsaufnahme: Den Ist-Zustand erfassen
Bevor die erste Wand aufgerissen wird, muss klar sein, was vorhanden ist. Öffnen Sie den Hauptverteiler oder die Sicherungskästen und dokumentieren Sie:
- Ist ein Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) eingebaut? Im Altbau oft nicht vorhanden — das ist ein häufiger Mangel.
- Existiert überall ein Schutzleiter (PE-Leiter)? Ältere Installationen haben oft nur Phasen- und Nullleiter, der Schutzleiter fehlt ganz.
- Welche Querschnitte haben die vorhandenen Leitungen? 1,5 mm² Kupfer deutet auf eine Altinstallation hin, die für heutige Anforderungen unterdimensioniert sein kann.
- Wo steht der Zählerplatz, und ist der Verteiler noch erreichbar für Erweiterungen?
Diese Bestandsaufnahme bestimmt, ob eine Teilrenovation ausreicht oder eine komplette Neuinstallation notwendig ist. Ein Fachbetrieb kann hier mit einem Inspektions-Protokoll arbeiten, das alle Mängel systematisch erfasst. Ein typisches Beispiel: Ein Haus von 1975 hat oft noch Einzelschutzschalter statt moderner Leitungsschutzschalter, und die Leitung vom Zähler zum Verteiler könnte ein dünneres Kupferkabel sein, das für zusätzliche Verbraucher nicht ausreichend ist.
Bedarfsplanung: Raum für Raum durchgehen
Jetzt wird konkret: Wie viele Steckdosen brauchen Sie in der Küche, wo sollen Schalter sitzen, brauchen Sie USB-Anschlüsse, einen großen Medienblock im Wohnzimmer? Moderne Standards sehen vor:
- Küche: Mindestens 6 bis 8 Steckdosen, jeweils eigene Stromkreise für Herd und Kühlschrank
- Badezimmer: Steckdosen mindestens 60 cm vom Waschbecken entfernt, FI-Schutz obligatorisch
- Wohnzimmer/Schlafzimmer: Mehrere Steckdosen an den Wänden, nicht nur unter dem Fenster
- Flur/Treppen: Schaltung mit Zwei- oder Dreiwegeschaltern für komfortable Beleuchtung
Skizzieren Sie jeden Raum, markieren Sie gewünschte Positionen von Steckdosen, Schaltern und Leuchten. Diese Planung muss abgeschlossen sein, bevor Wände verputzt werden — danach wird jede Änderung teuer. Besonders bei der Küche lohnt sich eine detaillierte Planung: Wo steht der neue Kühlschrank, wo die Spülmaschine, wo möchte man den Espresso-Automaten oder die Mikrowelle aufstellen? Jedes dieser Geräte sollte eine eigene Steckdose haben, nicht drei Geräte an einer Mehrfachleiste.
Stromkreise aufteilung und Reserve
Die richtige Aufteilung von Stromkreisen ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch der Praktikabilität. Faustregel: Nicht mehr als 10 bis 12 Steckdosen pro Stromkreis, und Verbraucher mit hoher Last bekommen einen eigenen Kreis.
- Herd, Backofen, Boiler, Klimaanlage — jeweils eigene Stromkreise
- Beleuchtung in mehreren Gruppen aufteilen (nicht alles in einem Kreis)
- Küche und Bad sollten separate Kreise haben
- Für die Zukunft: Reserveplätze im Verteiler planen
Besonders wichtig ist die Reserve. Wenn Sie später eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder eine Solaranlage einbauen möchten, brauchen Sie freie Plätze im Verteiler. Das spart später aufwendige Nachbesserungen. Ein moderner Verteiler mit 24 Positionen ist für ein durchschnittliches Einfamilienhaus üblich — planen Sie aber mindestens 4 bis 6 leere Plätze ein. Die Kosten für zusätzliche Positionen während der Sanierung sind marginal; wird der Verteiler später voll, braucht man einen kompletten neuen Schrank.
Leerrohre und Zukunftssicherheit
Bei einer Sanierung sollten Leerrohre (auch Installationsrohre genannt) verlegt werden, bevor verputzt wird. Sie ermöglichen später zusätzliche Leitungen, ohne die Wand erneut aufzureißen.
- Zwischen Verteiler und den wichtigsten Räumen Leerrohre mitziehen (mind. DN 25, also 25 mm Durchmesser)
- In Außenwänden oder Räumen mit Zukunftspotenzial: Rohre für mögliche Sensorik, Alarmsysteme oder weitere Stromkreise
- Oberflächeninstallationen (Kabelkanäle) sind eine Option, wenn Schlitze problematisch sind, wirken aber weniger elegant
Diese „unsichtbare" Planung kostet während der Sanierung wenig extra, spart aber enorm Kosten, wenn Sie später etwas ergänzen wollen. Ein praktisches Beispiel: Wer während der Sanierung ein Leerrohr vom Verteiler zum Schlafzimmer legt, kann dort später problemlos eine Wallbox für ein Elektroauto anschließen. Fehlt das Rohr, muss später die Wand aufgerissen und neu verputzt werden.
Spezielle Anforderungen: Badezimmer, Außenbereich und Feuchträume
Feuchträume unterliegen besonders strengen Regelungen, die in der DIN VDE 0100-701 festgehalten sind. Das Badezimmer ist nicht einfach nur ein Raum mit Wasser — die Elektroinstallation dort muss in Zonen unterteilt werden.
- Zone 0: Innerhalb der Badewanne oder Dusche — hier darf nichts Elektrisches sein
- Zone 1: Bereich bis 60 cm horizontal und 2,25 m vertikal von der Wanne/Dusche — nur spritzwassergeschützte Geräte (IPX4)
- Zone 2: Bereich bis 60 cm darüber hinaus — ebenfalls IPX4-Schutz erforderlich
- Außerhalb der Zonen: Normale Anforderungen, aber FI-Schutz ist überall Pflicht
Auch Außenanlagen wie Terassen oder Gartenstromkreise brauchen speziellen Schutz. Hier sind robuste, wetterfeste Komponenten und oft auch Oberflächenleitungen notwendig.
Prüfung und Abnahme
Nach Abschluss der Arbeiten ist eine Elektroprüfung gesetzlich vorgeschrieben. Ein geprüfter Fachbetrieb führt durch:
- Sichtprüfung: Sind alle Verbindungen fachgerecht? Stimmen Leitungsquerschnitte und Verlegungsarten?
- Messungen: Durchgangsprüfung der Schutzleiter, Isolationsprüfung, Messung der Fehlerstromauslösung (RCD-Test)
- Prüfprotokoll: Dokumentation aller Messergebnisse und Prüffristen
Das Prüfprotokoll ist nicht nur Sicherheit, sondern auch wichtig für Versicherungen und den späteren Wiederverkauf der Immobilie. Bewahren Sie es auf. Die Prüfung selbst ist nicht optional — ohne sie darf die Anlage nicht in Betrieb gehen.
Normen, Genehmigungen und Zeitplanung
Elektrorenovationen unterliegen der DIN VDE 0100 und müssen den Anforderungen des Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) entsprechen. Je nach Umfang kann auch eine Anmeldung beim Energieversorger notwendig sein — insbesondere wenn der Hauptschutz oder die Einspeisung verändert wird.
Die Planung sollte Zeit für Abstimmungen mit dem Versorger einkalkulieren. Ein Fachbetrieb kennt diese Abläufe und kann rechtzeitig klären, ob beispielsweise eine Zählerplatz-Umrüstung notwendig ist. Auch die Koordination mit anderen Gewerken (Maurer, Installateure, Maler) ist wichtig — Elektroarbeiten sollten nach den groben Bauarbeiten, aber vor Putz und Farbe abgeschlossen sein.
Eine systematische Checkliste macht Elektrorenovationen planbar und verhindert nachträgliche Überraschungen. Ein Fachbetrieb kann Sie bei dieser Planung unterstützen und sicherstellen, dass alle aktuellen Vorschriften eingehalten werden.